Archiv für April 2026

IW-Studie: Wegfall der Einspeisevergütung gefährdet Solarausbau in Mehrfamilienhäusern

Die im Auftrag von Green Planet Energy eG erstellte Untersuchung analysiert erstmals systematisch die Wirtschaftlichkeit von Mieterstrom- und Gebäudestrommodellen in unterschiedlichen Projektgrößen. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Schon unter den derzeitigen Rahmenbedingungen bewegen sich viele Vorhaben nur knapp im rentablen Bereich. Während kleine Projekte lediglich eine interne Verzinsung von 1,1 Prozent erreichen, kommen größere Projekte auf bis zu 5,4 Prozent. Ohne Einspeisevergütung verschlechtert sich die Wirtschaftlichkeit deutlich. Kleine Projekte rutschen ins Minus, mittlere Vorhaben verlieren ebenfalls ihre Tragfähigkeit. Wirtschaftlich darstellbar blieben dann allenfalls größere Projekte.

Aus Sicht des VDIV Deutschland zeigt die Studie damit klar: Die Einspeisevergütung ist kein zusätzlicher Anreiz, sondern ein zentraler Bestandteil tragfähiger Geschäftsmodelle im Mehrfamilienhaus. Gerade Mieterstrom- und Gebäudestrommodelle, die sich erst allmählich etablieren, wären von einer Streichung besonders betroffen. Alternative Vermarktungswege könnten die entstehenden Einnahmeverluste nach Einschätzung der Studienautoren nicht ausreichend kompensieren.

„Die mögliche Abschaffung der Förderung stellt die Wirtschaftlichkeit des PV-Ausbaus im Mehrfamilienhaus grundsätzlich in Frage und gefährdet die Klimaneutralität im Gebäudebestand“, erklärt Martin Kaßler, Geschäftsführer des VDIV Deutschland. „Gerade in Zeiten, in denen uns aufgezeigt wird, wie relevant die Unabhängigkeit von Energieimporten wäre, könnte die Politik so ein falsches Signal senden. Wir können es uns nicht leisten, diese gerade anlaufende, positive Entwicklung im Keim zu ersticken.“

Sollte die Einspeisevergütung dennoch entfallen, braucht es aus Sicht des Verbands wirksame Kompensationsmechanismen. Denkbar wären laut Studienautoren etwa eine Anhebung des Mieterstromzuschlags oder Investitionskostenzuschüsse, um die Wirtschaftlichkeit entsprechender Projekte zu sichern und den Ausbau vor Ort weiter zu fördern.

Mit Blick auf die energie- und klimapolitischen Ziele mahnt der VDIV Deutschland verlässliche Rahmenbedingungen an. „Die Politik steht in der Verantwortung, den Ausbau erneuerbarer Energien durch gezielte Anreize zu beschleunigen. Wer den PV-Ausbau im Mehrfamilienhaus jetzt konterkariert, gefährdet Klimaziele und energetische Souveränität. Ohne wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen bleibt Mieterstrom in Mehrfamilienhäusern eine Nischenanwendung“, so Kaßler.

Zum Hintergrund: Mieterstrommodelle wurden 2017 eingeführt, um Haushalte in Mehrfamilienhäusern stärker an der Energiewende zu beteiligen. Seit 2024 ergänzt die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung dieses Modell und erleichtert die Nutzung von PV-Strom im Gebäude. Beide Ansätze sind bislang auf die im EEG vorgesehene Vergütung für eingespeisten Überschussstrom angewiesen.

Die Studienergebnisse können hier abgerufen werden. https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2026/IW-Gutachten_Einspeiseverg%C3%BCtung_Mieterstrom.pdf

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Bürokratie bremst Wohnungsbau

Als Treiber dieser Entwicklung benennt die Studie nicht nur das Bevölkerungswachstum, sondern vor allem die veränderte Haushaltsstruktur. Die Zahl der Haushalte steigt weiter, insbesondere durch mehr Einpersonenhaushalte, ältere Menschen sowie differenziertere Wohnformen. Damit wächst auch der Bedarf an kleineren, barrierearmen und passgenauen Wohnungen. Gleichzeitig zeigt sich eine zunehmende Fehlverteilung im Bestand: Während viele Menschen beengt wohnen, verbleiben andere Haushalte mangels Alternativen in eigentlich zu großen Wohnungen. Der Wohnungsmarkt verliert dadurch spürbar an Beweglichkeit.

Auf der Angebotsseite kann der Neubau mit dieser Entwicklung seit Jahren nicht Schritt halten. Politische Neubauziele werden verfehlt, Baugenehmigungen gehen zurück, und der frühere Bauüberhang schmilzt offenkundig ab. Hinzu kommen hohe Zinsen und stark gestiegene Bau- und Bauwerkskosten, die bezahlbaren Neubau vielerorts wirtschaftlich kaum noch darstellbar machen.

Die Studie plädiert deshalb für einen Kurswechsel. Gefordert werden einfachere, robustere und kostengünstigere Bauweisen, weniger technische Komplexität sowie eine stärkere Konzentration auf funktionale Anforderungen. Es gehe nicht um niedrigere Sicherheits- oder Qualitätsstandards, sondern um einen pragmatischeren und innovationsorientierten Neubau, der unter den aktuellen Bedingungen überhaupt wieder realisierbar wird.

Besondere Bedeutung misst die Untersuchung dabei auch aktuellen Initiativen einzelner Bundesländer wie Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Bayern und Berlin bei. Trotz unterschiedlicher Ansätze verfolgten sie ein gemeinsames Ziel: Bauen wieder einfacher, schneller und bezahlbarer zu machen.

Das Fazit der Studie ist eindeutig: Der Wohnungsbau steht vor einer doppelten Herausforderung. Kurzfristig muss er zur Entlastung angespannter Märkte beitragen, langfristig zugleich aber demografischen Wandel, Klimaneutralität, Ressourceneffizienz und soziale Stabilität bewältigen. Ohne spürbare Vereinfachungen, geringere Kosten und stärker an den tatsächlichen Bedarfen orientierte Neubaukonzepte wird der Wohnungsmarkt seine Versorgungsfunktion auf Dauer nicht erfüllen können.

Die gesamte Studie finden Sie hier: https://www.impulse-fuer-den-wohnungsbau.de/fileadmin/images/Wohnungsbautag/2026/pressemappe/studie_zum_wohnungsbau_2026.pdf 

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